Hochzeitsfotografie als Hobby-/Amateurfotograf

Von den Gefahren eines Hochzeitsshootings als Amateurfotograf.

Irgendwann wird jeder mit DSLR, der im Bekanntenkreis als “Freund mit Kamera, die gute Bilder macht“ bekannt ist, auf eine Sache angesprochen werden: die Hochzeit eines Freundes/einer Freundin zu fotografieren.
Wenn man gut befreundet ist, ist dies natürlich eine große Ehre und kann viel Spaß machen…KANN…

Vom reinen Lesen kann nachfolgender Text als eine Art “Abrechnung“ meinerseits aufgefasst werden – dies ist nicht der Fall. Er ist eine Zusammenfassung von verschiedenen, befreundeten Hobbyfotografen, und zugleich als Warnung anzusehen.
Ich selbst befinde mich in der glücklichen Lage, große Teile hiervon nicht selbst erlebt zu haben, auch wenn ich manchmal Parallelen ziehen kann.

Auch ich bin zwar eher unvorhergesehen in die Thematik der Hochzeitsfotografie geschlittert, hatte jedoch bereits zuvor Erfahrungen mit Familienfeiern, Konfirmation/Kommunion und Peoplefotografie sammeln dürfen; gleichzeitig ist die Fotografie mein größtes Hobby und persönlicher Ausgleich zum Beruf.
Daher ist meine Ausrüstung den Ansprüchen, die ich auch sonst an mich selbst stelle, angepasst.

Abgesehen davon, dass es Fotografen ungemein gerne hören, dass Ihr Handwerkszeug tierisch entscheidungsfreudig und kreativ ist und wie von selbst die passenden Bilder aufnimmt, hört sich die Anfrage meist ungefähr so an:

Er/Sie: “Sag mal, Du hast doch ne gute Kamera…?“
Du (nichtsahnend): “Äh…ja, schon, ich fotografiere halt gerne und hab auch n bissl Ausrüstung…“
Er/Sie: “Super, damit könntest Du doch sicher auch unsere Trauung/Hochzeit fotografieren?“
Du (überrascht, aber gleichzeitig geehrt): “Äääh…nun ja, theoretisch schon…aber wollt ihr da nicht lieber einen professionellen (Berufs-)Fotografen für die Hochzeit?“
Er/Sie: “Naja, schon, aber (*hier bitte das passende einsetzen: keinen Passenden gefunden/zu teuer/hat abgesagt/hat keine Zeit), und da haben wir an Dich gedacht. Wir haben ja auch keine großen Ansprüche, halt nur ein paar Fotos…“

Wenn euch diese Situation ereilt und Ihr euch noch nie wirklich mit Hochzeitsfotografie auseinandergesetzt habt, habt Ihr nur eine reelle Chance: zügig rückwärts entfernen und den nächsten Ausgang erreichen; dann seid ihr in Sicherheit.

Keinen passenden Fotografen gefunden oder hat keine Zeit?
Sorry, kann ich nicht glauben.
Beispiel aus Hannover: 437 Treffer auf Google Maps – ihr habt echt bei Allen angefragt?
Und falls der Wunschfotograf keine Zeit mehr hat, wenn ihr eine Woche zuvor anfragt…nun ja, dann muss es halt ein anderer sein…?

Zu teuer? Ein sehr zweischneidiges Schwert, wenn man bedenkt, dass die ganze Veranstaltung eben Geld kostet.
Klar, wenn man (gerade/unvorhergesehen) wenig Geld hat, aber heiraten möchte, weil man sich eben liebt, ist das selbstverständlich möglich – aber man muss immer das Gesamte im Blick haben.
(Daran denken, das bedeutet auch gleichzeitig für den “Fotografen“, dass er/sie dafür nichts oder wenig Entlohnung sehen wird)

“Der professionelle Fotograf hat abgesagt.“
Tja, ok. Sein Pech. Im Vertrag setzt man bei solchen wichtigen Terminen normalerweise immer eine Verfügbarkeitsklausel, die ihn von einer Absage abhält, wenn nicht höhere Gewalt im Spiel ist – ansonsten läuft man durchaus Gefahr, bei einem lukrativeren Angebot für den Fotografen (der zudem besonders günstig war) den Kürzeren zu ziehen.

So.
Ihr ward also nicht schnell genug, alle Ausgänge waren verschlossen und die Fluchtwege abgeschnitten oder ward so überrumpelt, dass Ihr “Ja“ gesagt habt?

Glückwunsch.

Die restliche Zeit vor der Hochzeit werdet ihr euch wohl mit Hochzeitsfotografie auseinandersetzen, denn der letzte Satz, der im Dialog gefallen ist, gilt genau bis zum Tag der Hochzeit.
Klischeehaft ist es wirklich zumeist die Braut, die als emotionsgeladene Frau am großen Tag Ansprüche hat, die ihr nun erfüllen müsst – der Bräutigam ist zumeist “nervöses Beiwerk“, der an diesem Tag gut daran tut, seiner Angebeteten lieber nicht zu widersprechen.
Wichtig: euer bester Freund an diesem Tag wird der zumeist tiefenentspannte Vater des Bräutigam und ggf. die Trauzeugen sein – und Ihr braucht Verbündete, sonst seid ihr als Hobbyfotograf verloren.
Verloren – warum? Ein Fotograf, der dafür Geld nimmt, tritt sehr bestimmt auf – er macht die Bilder, für die er bezahlt wird, und wenn da nicht jeder “spurt“, wird das Brautpaar kurz darauf hingewiesen, dass zusätzliche Aufnahmen jetzt dann Geld kosten – und plötzlich ist man sehr hinterher, dass die Aufstellung für die Fotos gut klappt.

Diesen Vorteil habt ihr NICHT, da Ihr ja Freunde seid, und zugleich kostet ihr nichts (oder allenfalls wenig), sodass euch etwa der Gehorsam zuteil wird, den man von einem etwa vier Wochen alten Hundewelpen erwarten kann.
Eure Ausrüstung (und euere Nerven) verschleissen jedoch genausoschnell, was heisst, dass euch jedes Bild, dass Ihr macht (je nach Ausrüstung) euch einen mehr oder weniger günstigen Betrag kostet.

Ein Berufsfotograf hat eine gewisse Distanz zum Brautpaar.
Man heiratet ja vierm…fünfm… – nein, man heiratet eigentlich nur einmal im Leben, und auch wenn sich Scheidungen gefühlt immer größerer Beliebtheit erfreuen, sollte man doch davon ausgehen, dass diese Bindung ein ganzes Leben lang hält.
Das heißt, die Fotos müssen auch in 25 Jahren noch toll sein.
Verreisst also der Berufsfotograf das Thema und macht schlechte Bilder, hat er ein Problem (und bei mehreren solchen Vorfällen beantragt er Hartz 4).
Wenn Ihr allerdings den Fotografen spielt…nun ja, fragt euch einfach “ist diese Freundschaft so belastbar, dass mir verziehen wird, wenn ich vom schönsten Tag des Lebens schlechte Fotos mache“.
Egal was danach noch passiert, wenn dieser Fall eintritt, seid ihr auch nach 25 Jahren noch “der, der die Bilder versaut hat“.

Ok.
Ihr seid ab jetzt der Fotograf.
Ihr seid für alle Dinge zuständig, die passieren werden.
Also auch genau für das, für das normalerweise die Trauzeugen zuständig sind, die sich erfahrungsgemäß an diesem Tag zu 90% vornehm zurückhalten werden.

Was ihr unbedingt dabeihaben solltet, sind folgende Dinge:
Taschentücher, ein kleines Taschenmesser mit Schere, Nähzeug + schwarzes und weißes Garn, Sekundenkleber, schwarzes und weißes (starkes) Klebeband, AA-Batterien.
Aus meiner Erfahrung heraus haben Trauzeugen soetwas nicht dabei, und gerade dann löst sich kurz vor der Hochzeit der Absatz der Braut, weil sie in ein Gitter tritt, oder der Bräutigam bleibt irgendwo hängen und reisst sich ein Stück Anzugshose auf, oder der Kamera der Mutter der Braut geht der Saft aus…usw usw.
Ihr könnt natürlich nicht alles bedenken, aber dies sind die Kleinigkeiten, die teilweise die Hochzeit retten und im Gedächtnis bleiben – und so manchen Fehler eurerseits verzeihen lassen. Und ihr werdet Fehler machen, verlasst euch drauf.

Ihr dürft nicht aus der Hochzeitsgesellschaft herausstechen. Im Allgemeinen wird vom Fotografen angemessene Kleidung erwartet, auch oder gerade wenn Ihr die Eltern/Verwandten nicht so gut kennt.
Zumeist ergeben sich auch Vorgaben wie eine bestimmte Farbe, die dem Brautpaar vorbehalten ist, oder das genaue Gegenteil, eine spezielle Farbe soll von allen aufgegriffen werden.

Seht euch am besten vor der Hochzeit verschiedene Fototechniken anhand von Bildern im Internet an, und besprecht die groben Erwartungen mit dem Brautpaar. Achtet aber darauf, dass bei Bildern am Hochzeitstag auch schlechtes Wetter herrschen kann, sorgt also unbedingt für eine Indoor-Lokation, auf die Ihr ausweichen könnt.
Vielleicht habt ihr zu alledem auch schon konkrete Bilder im Kopf – holt euch dennoch Anregungen.
Persönlich habe ich zudem festgestellt, dass Ratgeber in Form von Taschenbüchern meist eher nicht so geeignet sind, da sie professionelle Ausrüstung beschreiben und wenig Bildgestaltung beinhalten.
Teilweise schöne Ideen für Bilder erhaltet ihr auch auf den Webseiten von Fotografen… ;)
Tut euch jedoch selbst einen Gefallen und zeigt diese Beispiele nicht dem Brautpaar – solche aufkommenden Erwartungen könnt ihr kaum erfüllen.

Besprecht auch, welche Aufstellungen mit welchen Personen nach der Trauung gewünscht werden. Eine Liste ist toll, auswendig gelernt mit Zuordnung der Personen wäre besser.
Beachtet, dass zumeist auch ältere Personen teilnehmen, und versucht, auch hierauf einen besonderen Fokus zu legen; traurigerweise sind es oftmals eure Bilder, die die letzten sein werden, die diese Personen zeigen – und eine Hochzeit erfüllt und zeigt sie mit besonderem Leben. Haltet diese Momente unbedingt fest.

Euere Ausrüstung muss für diesen Tag gepflegt sein, und bitte denkt daran für alles Ersatz dabei zu haben – das gilt besonders für den Body. Murphy’s Gesetz besagt, dass wenn etwas schiefgehen kann, es auch schiefgehen wird. Wenn ihr also keinen zweiten Body dabeihabt, besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass genau heute eurer Body (oder ein Teil davon) aufgibt – Ihr erinnert euch, Ihr seid für alles verantwortlich, keine Bilder sind gleichbedeutend mit schlechten Bildern, und sollte dieser Fall eintreten, nun ja…an diesem Tag gibt es kein Verständnis für Technik, die ausfällt.

Technisch gesehen habt ihr damit in etwa folgende Mindestvorgaben (viele der Dinge lassen sich auch für einen Tag leihen):

2 Bodies, mit denen ihr vertraut seid + zugehörige Akkus und je 2 Speicherkarten
1 Weitwinkel-Objektiv (24mm oder 35 mm)
1 Portrait-Objektiv (50mm oder 85 mm)
1 Zoomobjektiv (Weitwinkel bis Portrait, also etwa 24-70 mm)
1 Systemblitz
1 Stativ

Bei den jeweiligen Brennweiten kommt es auf euren Geschmack an (und ein wenig auf eure Kamera – bitte rechnet ggf. den vorhandenen Crop-Faktor mit ein).
50mm wird immer als Portraitbrennweite verschrien – ich persönlich komme mit dieser Brennweite schlecht zurecht; ich habe dafür ein 85mm, mit dem ich in diesem Bezug perfekt umgehen kann.
Was ich auch immer wieder an Empfehlungen in manchen Foren lese, ist, auch ein Telezoom in der Klasse 70-200mm dabei zu haben.
Man könne damit nahezu unbemerkt Fotos machen und würde nicht immer ganz vorne dabeistehen müssen.
Persönlich muss ich hier sagen, dass Ihr soetwas zu 99% nicht brauchen werdet – und die zwei Gründe sind simpel als auch naheliegend:

  1. In den Standesämtern sind meist für maximal 40 Personen bei etwa 30 qm Fläche bestuhlt und vorgesehen – hier würde sich eher ein UWW-Zoom (wie ein 12-24mm) eignen, um die gesamte Situation einzufangen.
    In den Kirchen sieht es wenig anders aus (ausgenommen Ihr werdet für den Kölner Dom beauftragt), Ihr steht relativ nahe am Brautpaar, nutzt ggf. nach Absprache mit dem Pfarrer auch eure Ersatzkamera neben dem Altar, die Ihr fernauslöst. Alles weitere kann mit 70mm, vielleicht maximal 100mm abgedeckt werden – und bei 100 mm müsst Ihr schon weit entfernt stehen, damit nicht eine einfache Ausschnittsbearbeitung ausreicht.
    Die heutigen Kamerasensoren sind zudem groß genug, dass auch ein 25%-Bildausschnitt noch locker für einen DinA3-Ausdruck ausreicht.
  2. Unbemerkt fotografieren. Ihr seid der Fotograf, Ihr werdet immer ganz vorne mit dabei stehen. Ihr müsst immer ganz vorne mit dabeistehen, denn dafür seid Ihr jetzt da.
    Ihr macht die Bilder für das Hochzeitspaar, die nachher in das Album kommen und verteilt werden, Ihr habt auch die Erfahrung im Umgang mit Bildern.
    Nicht falsch verstehen, alle anderen dürfen selbstverständlich auch Fotos/Schnappschüsse machen, aber Ihr habt IMMER Vorrang (solange das Brautpaar nichts anderes sagt) – bitte aber auch nicht mit einem gekonnten Rugby-Tackling Oma Gerda aus dem Weg räumen :D, Ihr müsst hier schon verbal taktieren.

Bei oben genannter Aufstellung sprechen wir in günstiger Ausführung bereits über etwa 1000 – 2000 Euro, die ihr hier dabei habt – zudem sollten es lichtstarke Objektive sein; die Lieblingsmarke des Fotografen ist hier relativ nebensächlich, da alle großen Hersteller Produkte Objektive in diesem Bereich anbieten.
Selbstversändlich darf man auch darüber nachdenken, ein – sofern vorhanden oder der innige Wunsch des Fotografen – Makroobjektiv oder eine längere Brennweite zu nutzen. Ihr müsst hier jedoch bedenken, dass Ihr all diese Ausrüstung die gesamte Zeit über auch tragen und verstauen müsst.

Im Standesamt darf zwar meist mit Blitz gearbeitet werden (Negativbeispiel aus Hannover: 2 Standesbeamte verbieten hier das Fotografieren mit Blitz), in Kirchen jedoch ist es meist generell verboten.

Unvergessen hier auch mein Dialog mit dem Pfarrer kurz vor einer Trauung:

Ich: “Hochwürden, mir wurde bereits mitgeteilt, dass während der Zeremonie kein Blitz für Fotos verwendet werden darf. Wäre es dafür vielleicht möglich, die volle Beleuchtung des Kirchenschiffs und des Altars einzuschalten?“
Er: “Ja, natürlich.“
*kurzes Schweigen*
Ich: “Ähm, ja, also…dürfte ich das dann schonmal vorab in voller Beleuchtung sehen?“
Er: “Aber dies ist doch schon die volle Beleuchtung?“
Ich: “Oh“

Bei dieser Kirche wurden gerade die Fenster neu versiegelt und Restaurierungsarbeiten an der Fassade durchgeführt, soll heißen, die Fenster waren komplett mit schwerem Stoff verhangen. Gefühlt hatte ich also etwas mehr Licht als in einer klaren Vollmondnacht – worst case, und genau soetwas kann passieren.
Hier musste ich dann mit 50mm und einer Blende von f/1.8 zwischen ISO3200 und ISO6400 arbeiten – diese Werte geben jedoch Einsteigersysteme gar nicht her.

In diesem Zusammenhang bitte nicht vergessen, Ihr macht vielleicht hobbytechnisch tolle und auch anspruchsvolle Fotos, aber hier geht es um den Moment, und der wird während der Zeremonie nur einmal passieren. Währenddessen müssen die Handgriffe sitzen. Die obige Zusammenstellung lässt euch zumindest noch etwas Auswahl.
Noch etwas: ich kenne einen langjährigen Hochzeitsfotografen, der mit einer 50mm Festbrennweite die komplette Hochzeit ablichtet, und das Ergebnis ist traumhaft – bitte macht euch nichts vor, dieses Level (und diese Ausrüstung) besitzt ihr nicht, bleibt realistisch, dann klappt das auch.

Der Tag der Hochzeit.
Üblicherweise erkennbar daran, dass Ihr nervöser seid als der Bräutigam.
Ihr habt euch gut vorbereitet, alles beachtet, Standesamt/Hochzeit in der Kirche abgelichtet und nach dem ersten kurzen Überfliegen sind auch gute/schöne Bilder dabei.
Ihr lichtet die Gruppenfotos vor der Lokation profihaft ab (bei Problemen nicht vergessen: Vater des Bräutigam = Verbündeter!).

Falls ihr jetzt noch die anschließende Feier ablichten sollt, lehnt jedwede Art von Alkohol ab. Selbst bei einem Glas Sekt wird das fehlende oder verschwommene Bild von Oma Gerda dem Fotografen, der halt “schon einen getrunken“ hatte, angekreidet…glaubt mir, auch wenn sie sich nicht mehr genau an den Ringtausch erinnern können, daran erinnern sie sich noch nach Jahren…

Solch eine Reportage einer Feier wird jedoch in einem separaten Eintrag beschrieben, da dies hier den Rahmen endgültig sprengen würde ;)

Immer gutes Licht
Euer Wolf

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